Das Visum

Ein Pflichttermin für das Auslandssemester in den USA ist der Besuch beim amerikanischen Konsulat, um sein Visum zu beantragen. Ohne das Visum gibt es keine Einreisegenehmigung in die USA, zumindest nicht für einen größeren Zeitraum als 3 Monate. Das klingt jetzt schlimmer als es im Endeffekt ist. Man sollte jedoch einige Punkte bedenken, die ich nachfolgend erläutern werde.

Erhält man nun endlich Rückmeldung von ISEP und einer Gasthochschule in den USA, denkt man, dass man das Gröbste geschafft hätte. Nunja, ich kann so viel sagen, dass die Nerven nicht mehr so auf die Folter gespannt werden, doch stressig wird es trotzdem etwas. Aber keine Angst, die nachfolgenden Schritte sind nicht sonderlich kompliziert – bloß zeitaufwendig und stark bürokratisch. Mit seiner Platzierung an einer amerikanischen Hochschule erhält man diverse Formulare zugesandt (entweder an sein International Office / die zuständige Person an der Uni oder an seine eigene Anschrift). Auf diesen Formularen sind alle weiteren Schritte für das Visum (in diesem Fall übrigens das J-1-Visum) erklärt. Dabei ist auch das DS-2019-Formular enthalten, das sehr wichtig ist und sorgsam behandelt werden sollte. Schaut unbedingt nach, ob sich Fehler auf dem Formular eingeschlichen haben und falls ja, kontaktiert eure ISEP-Koordinatoren. Ansonsten, legt das DS-2019 für die nächsten Schritte bereit und verwahrt es danach bis zum Besuch in der Botschaft.

Das war natürlich noch nicht alles. Ihr findet in euren Unterlagen Links zu Webseiten, die Bestandteil der Bewerbung für ein Visum sind. Dazu gehört einmal die Zahlung der SEVIS-Gebühr von $180. Dies ist zwingend erforderlich. SEVIS bzw. Student and Exchange Visitor Information System ist eine Datenbank, die vom Department of Homeland Security benutzt wird, um euch – nunja – durchzuchecken. Da ihr aber mit Sicherheit nichts auf dem Kerbholz habt, ist das bloß reine Routine und wird keine weiteren Konsequenzen haben. Die Quittung, die ihr nach Bezahlung der Gebühr bekommt, müsst ihr ausdrucken und unbedingt zum Konsulat mitbringen. Bei mir war es übrigens so, dass auch noch mal eine Quittung bzw. Bestätigung per Post kommt – das dauert aber mehrere Wochen. Gezahlt wird übrigens mit Kreditkarte.

Als nächstes sollte das Antragsformular DS-160 ausgefüllt werden – und zwar online. Bringt euch hierfür VIEL ZEIT mit! Nicht nur, dass hier viele Informationen gefordert werden, die Software ist relativ instabil und man sollte sich darauf einstellen einige Male von vorne zu beginnen. So war’s jedenfalls bei mir. Man bekommt jedoch zu Beginn einen Code genannt, den man sich UNBEDINGT AUFSCHREIBEN sollte, damit man seine Sitzung wiederaufnehmen kann und nicht komplett neu anfangen muss. Hier sollte man außerdem die entsprechende Botschaft auswählen, die man aufsuchen möchte. Es gibt 3 Anlaufstellen für das Visum in Deutschland – München, Frankfurt, Berlin. Wohnt man ungünstig, hat man ggf. also einen recht weiten Weg vor sich, denn man muss persönlich erscheinen [Anm.: Ich habe von einem telefonischen Verfahren gelesen, das aber offensichtlich auch den persönlichen Besuch beim Konsulat nicht ersetzt.]. Nun, man kann sich die Botschaft, zu der man geht, selbst aussuchen. Dazu gibt man die entsprechende Botschaft beim Ausfüllen seines Online-Antrags an. Danach kommt ein Haufen von Fragen, die selbsterklärend sind, aber auf jeden Fall um die 2 Stunden dauern. Es ist wichtig, sich alles genau durchzulesen und dementsprechend zu antworten. Macht man hier Fehler, kann sich der Visumsantrag erheblich verzögern – so jedenfalls die Warnungen. Aber macht das hier wirklich sorgfältig, denn manchmal kann es mit ISEP schon von vornherein relativ knapp werden, weswegen man eine weitere Verzögerung nicht in Kauf nehmen sollte. Seid ihr mit dem Formular durch, müsst ihr wieder eine Seite ausdrucken.

An dieser Stelle vielleicht wichtig zu erwähnen: Für das DS-160 braucht man ein Foto. Das Foto, das ihr hier hochladet, muss nicht das gleiche Foto sein, das letztendlich in euer Visum kommt. Befolgt dennoch die Richtlinien, die für Fotos gestellt werden. Die Amerikaner haben wieder einmal ein sonderbares Format. Unsere rechteckigen Passfotos (Biometrie egal) sind nicht erwünscht – quadratisch macht hier das Rennen. Das heißt im Klartext: 5x5cm. Nicht alle Fotografen arbeiten mit diesem Format, da es relativ exotisch ist – gerade in kleineren Städten. Zur Not gibt es im Konsulat Passfotoautomaten für diese Größen – ich habe mich jedoch schon vorher darum gekümmert. In der Bielefelder Innenstadt war sage und schreibe ein Laden ausfindig zu machen, der mir weiterhelfen konnte – der Foto-Bazar. Nur als kleiner Tipp für die Ortskundigen. Was ich damit sagen will: Kümmert euch rechtzeitig! (generell ein guter Tipp. ;) )

Ist das DS-160 abgehakt, muss man noch einen Termin für ein kurzes Interview im Konsulat vereinbaren. Das kann online erfolgen oder (soweit ich weiß auch telefonisch). Reserviert man einen Termin online, muss man zunächst eine Gebühr von $10 bezahlen (ebenfalls per KK), um auf die Termindatenbank zugreifen zu können. Dann hat man relativ freie Wahl. Es empfiehlt sich eher einen frühen Termin zu nehmen (sowohl uhrzeitlich als auch generell), da dort nicht so viel los ist, wie beispielsweise um 12:00. Ich habe mich übrigens für die Botschaft in Berlin entschieden, da ich die Angelegenheit mit dem Visum noch mit einem Kurzurlaub verbunden habe. Jedenfalls beziehen sich meine Ausführungen hier auf den Antragsprozess in Berlin!

Der nächste Schritt ist die Bezahlung der Visaantragsgebühr über Roskos & Meier. Das sind 98 Euro, die überwiesen werden müssen. Man erhält nach einigen Tagen eine Quittung per Mail, die auch unbedingt gedruckt und zum Botschaftstermin mitgebracht werden muss. Das war dann der vorerst letzte Schritt. Jetzt heißt es mal wieder etwas warten, bis der Termin für das Visum näher rückt.

Ist der Tag gekommen, packt man sich seine benötigten Dokumente ein (Auflistung erfolgt nochmal am Ende) und marschiert zur Botschaft. Nach einem Sicherheitscheck und dem Abgeben seiner Unterlagen wartet man dann auf sein Kurzinterview. Dort fragt ein Beamter hinter einer Scheibe einen 3 kurze Fragen: „Was wollen Sie in den USA?“ – „Studieren.“ – „Wo studieren Sie?“ – „Iowa State.“ – „Was studieren Sie?“ – „Linguistik.“ – „Okay, cool. Sieht alles gut aus, Ihr Visum kommt dann per Post. Tschüss.“ So in etwas läuft das ab. Auf Deutsch – obwohl der Beamte Amerikaner war (logischerweise). Bei den gut 15 Personen, die vor mir waren, gab es nur 2 Fälle, bei denen irgendwie nachgehakt wurde und einer hat sein Visum dann auch nicht bekommen – aus nachvollziehbaren Gründen (die ich nicht näher erläutern möchte, Privatsphäre und so…). Tjoa, 3 Werktage später kam dann mein Reisepass mit Visum per Post zu mir nach Hause und das Unterfangen Visum war damit beendet.

Noch ein paar Anmerkungen zur Botschaft: Die Beamten da sind alle super freundlich – ganz im Gegensatz zu den deutschen(!) Polizisten vor der Botschaft. Lasst euch davon und von anderen Gerüchten jedenfalls nicht abschrecken, das geht da alles ganz smooth. ;) Wichtig zu wissen: Handy und andere elektronische Geräte sind dort nicht erlaubt. Nehmt am besten nur eure Dokumente mit. In Berlin gab es zur Not immerhin noch Schließfächer. In Frankfurt sieht das wohl anders aus.

Ich weiß, das war jetzt viel Stoff zum Lesen. Daher gibt es nochmal eine kurze Zusammenfassung, sowie eine Checkliste für die benötigten Dokumente in der Botschaft. Ich übernehme keine Haftung oder dergleichen, falls ich hier etwas vergessen habe oder so, am besten guckt ihr natürlich immer noch mal in eure eigenen Unterlagen, damit auch ja nichts schief geht. ;)

Visum – To-Do:

  • Formblatt DS-2019 bekommen
  • SEVIS-Gebühr bezahlen und Beleg drucken
  • Formular DS-160 online ausfüllen und Bestätigung drucken (+ evtl. vorher 5x5cm Passbilder machen!)
  • Termin für Visainterview vereinbaren (+ Gebühr bezahlen)
  • Visaantragsgebühr zahlen + Beleg drucken
  • Dem Interview im amerikanischen Konsulat stellen
  • Visum per Post erhalten

Benötigte Dokumente für den Besuch in der Botschaft:

  • Formblatt DS-2019
  • Zahlungsbeleg über die SEVIS Gebühr
  • Reisepass (muss bis mind. 6 Monate nach Aufenthaltsende gültig sein!)
  • Ausdruck des DS-160
  • Fotos (5x5cm, nicht älter als 6 Monate, weißer Hintergrund etc.)
  • Als Großbrief frankierter und adressierter Rückumschlag (für den Reisepass)
  • Zahlungsbestätigung Visaantragsgebühr von Roskos & Meier
  • Kopien von Dokumenten, die belegen, warum der Antragsteller in die USA einreist; dass der Antragsteller über genügend finanzielle Mittel verfügt; dass der Antragsteller die USA nach dem Aufenthalt wieder zu verlassen beabsichtigt
  • Kopie von Brief der aktuellen Bildungseinrichtung

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